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Weniger ist mehr

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Carey Mulligan

Die Schauspielerin CAREY MULLIGAN bevorzugt privat eher ein zurückgezogenes Leben. Hier spricht die Britin mit AJESH PATALAY über ihr letztes Filmprojekt Promising Young Woman und lebenslange Freundschaften

Foto Rory PayneStyling Cathy Kasterine
Coverstorys
Dieses Bild: Kleid von Bottega Veneta. Bild oben: Kleid von Proenza Schouler.

„Ich wollte schon immer in einer romantischen Komödie spielen“, verrät Carey Mulligan. Denkt man an die bisherigen Rollen der Schauspielerin, die von der suizidgefährdeten Schwester eines Sexsüchtigen in Shame bis hin zu einer radikalisierten Waschfrau in Suffragette – Taten statt Worte reichen, kommt dieses Bekenntnis ein bisschen überraschend. Doch sie meint es ernst: „Ich habe Richard Curtis zehn Jahre lang versucht zu überzeugen, etwas für mich zu schreiben!“

Zu unserem Treffen trägt Mulligan legeren Strick in Navy, eine weitgeschnittene schwarze Hose und einen braunen Oversize-Mantel. Wir trinken Kaffee in einem privaten Club in West-London, in dem die Schauspielerin Stammgast ist. Gut gelaunt erzählt sie, dass sie einen Teil der Strecke joggen musste, um nicht zu spät zu kommen. Sie hat eine Wohnung ganz in der Nähe, kommt aber nur nach London, um zu arbeiten. Die meiste Zeit verbringt sie in ihrem Farmhaus in Devon, in dem sie mit ihrem Ehemann, dem Musiker Marcus Mumford, sowie deren zwei Kindern, der vierjährigen Evelyn und dem zweijährigen Wilfred, wohnt.

Mulligans Geständnis zur romantischen Komödie ist relevant, denn sie dachte ursprünglich, dass Promising Young Woman – Drehbuch und Regie von Killing Eve Show-Runner Emerald Fennell – eine solche wäre. „Es ist wirklich lustig, denn als ich das Skript zum ersten Mal las, dachte ich mir, ‚Das ist ja soooo romantisch‘“, lacht sie verträumt. „In die Handlung ist eine 1980er-Rom-Com verpackt, die diese wirklich nachvollziehbare Beziehung zeigt.“ Jedoch ist diese von einer schwarzen Komödie über Rache, sexuelle Gewalt und toxische Männlichkeit flankiert.

Kleid von Alaïa.

Damit liefert der Film viele Gesprächsthemen. Trotz seiner komödiantischen Untertöne beinhaltet die Geschichte wichtige Aspekte wie Respekt und Einvernehmen, die aus den #MeToo und Time’s Up-Bewegungen der letzten Jahre hervorgegangen sind. Mulligans Rolle als Cassie hat eine traumatische Vergangenheit und führt ein Doppelleben. Cassie besucht Bars und gibt vor, stockbetrunken zu sein, um zu sehen, welche Männer sie in einer Situation ausnützen würden. Mulligan sagt, dass der Film ihr eigenes Verständnis des Themas verbessert hat.

„Wir bekamen einen Verhaltenskodex überreicht. Heute glaube ich nicht, dass es möglich wäre, dass etwas am Set passieren könnte oder es ignoriert werden würde“

Top und Hose von Miu Miu. Sandalen von The Row.
Kleid von Gabriela Hearst. Armband von Suzanne Kalan.

„Emerald wollte nichts in dem Film zeigen, das wir nicht schon in einer romantischen Komödie oder einer Buddy-Komödie der letzten 20 Jahre gesehen haben“, sagt sie. „Emeralds Argument dafür war, dass, wenn du eine Person, die total betrunken ist, mit nach Hause nimmst, es sich aber herausstellt, sie ist gar nicht betrunken und du dich daraufhin schuldig fühlst, dann wusstest du von Anfang an, dein Verhalten war falsch. Die Idee des Films basiert auf den vielen Geschichten aus dem wahren Leben. Vieles in diesem Film ist fast jeder Frau, die ich kenne, mehr oder weniger wirklich passiert.“

In Anbetracht der Thematik des Films schwenkt die Unterhaltung zu den Veränderungen, die Mulligan in der Branche seit #MeToo aufgefallen sind. „Die ersten konkreten Maßnahmen erlebte ich bei einem Theaterstück im Royal Court namens Girls & Boys, bei dem ich mitwirkte. Wir bekamen einen Verhaltenskodex überreicht. Es war ziemlich lustig, denn ich war die einzige im Stück“, erinnert sie sich. „Doch der Regisseur, Regieassistent, Autor und ich mussten alles lesen und unterschreiben. Das war mir in meiner Karriere zuvor noch nie passiert. Wenn dies schon die Situation gewesen wäre, als ich 18 war, hätte sich das anders angefühlt. Jetzt glaube ich nicht, dass es möglich wäre, dass etwas am Set passiert und das ignoriert wird.“

[Fennell] war unterwegs zur Drehabschlussparty von Killing Eve und trug diese tolle Hose. Ich dachte mir, verdammt, sie ist so cool“

Kleid von Gabriela Hearst. Armband von Suzanne Kalan.

„Als Mulligan von Fennell das Skript von Promising Young Woman erhielt, sagte sie sofort zu, da sie von der starken Vision der Regisseurin und Drehbuchautorin beeindruckt war. „Ihr Selbstbewusstsein sticht wirklich hervor“, sagt die Schauspielerin. „Ich erinnere mich, als ich genau hier mit ihr zusammensaß und sie zu mir sagte ‚Ich möchte in L.A. drehen‘. Jeder [Indie-Film], in dem ich bisher mitgewirkt habe, wurde in Oklahoma oder Louisiana oder so gedreht, da es billiger ist. Daher sagte ich, ‚Cool dann sehe ich dich in L.A.‘, erwartete aber wieder im Nirgendwo zu landen. Doch tatsächlich haben wir in L.A. gedreht.“

Für die „ärgerlich talentierte“ Fennell, die zur Zeit daran arbeitet, zusammen mit Andrew Lloyd Webber Cinderella auf die Bühne zu bringen, hat Mulligan nur Lob. Bei einem gemeinsamen Fototermin beim Sundance Film Festival brach sie sogar in Tränen aus, weil sie „ehrlich von Liebe und Stolz [für Fennell] überwältigt wurde“. Die zwei arbeiteten das erste Mal als Schauspielerinnen im TV-Drama aus dem Jahr 1997 Trial & Retribution zusammen, wobei sich keine der beiden an die andere erinnert („wir waren vor Angst blind“). Weihnachten vor zwei Jahren trafen sie sich wieder zu Besuch bei einem gemeinsamen Freund. „[Fennell] war unterwegs zur Drehabschlussparty von Killing Eve und trug diese tolle Hose. Ich dachte mir, verdammt, sie ist so cool“, erinnert sich Mulligan.

„Meine Freundinnen werden immer wichtiger – vor allem diejenigen, die ich bereits aus dem Schulalter kenne. Es entsteht eine spezielle Verbindung, wenn man Lebensabschnitte zusammen erlebt“

Kleid von JW Anderson. Mules von Bottega Veneta.

Ihre enge Beziehung spiegelt ein weiteres Kernthema des Films wider – die Beständigkeit von Freundschaft. Das ist auch etwas, das Mulligan in ihrem eigenen Leben wiedererkennt. „Meine Freundschaften mit Frauen werden immer wichtiger für mich, vor allem mit den Freundinnen, die ich bereits als Vierzehnjährige in der Schule kennen gelernt habe. Es hat damit zu tun, dass wir uns durch verschiedene Lebensabschnitte hindurch gegenseitig unterstützt haben“, sagt sie. „Jedes Jahr feiern wir unsere Geburtstage zusammen, die innerhalb von sechs Tagen liegen. Zu dritt gehen wir gemeinsam mit unseren Ehemännern essen. Es ist großartig. Wir machen gerne nerdige [Dinge]. Zum Beispiel haben wir den letzten Geburtstag in einem apokalyptischen Zombie-Escape-Room gefeiert.

Ihren engsten Freundinnen kann sie auch ihre Ängste anvertrauen, vor allem bezüglich „der öffentlichen Meinung, der man durch die Branche ausgesetzt ist, Twitter und das ganze Zeug“. Mulligan ist sehr zurückhaltend, was ihr Privatleben betrifft. Sie hasst es, fotografiert zu werden und mag auch Auftritte auf dem roten Teppich nicht. „Auf dem roten Teppich bin ich immer ich selbst, egal was ich trage“, sagt sie. Die Leute sagen: ‚Tu so, als wärst du Cate Blanchett!‘. Und wenn ich dann auf dem roten Teppich erscheine, denke ich mir, sei wie Blanchett. Sei cool. Lächle mit deinen Augen, aber es funktioniert nicht.“ Ich frage, ob Cate Blanchett wirklich mit ihren Augen lacht. „Sie lächelt, aber sie hat gleichzeitig diese wunderbare Ausstrahlung in ihren Augen“, versichert Mulligan. Als ich sie bitte, es mir zu zeigen, wird sie verlegen: „Ich kann es nicht, ich kann es nicht. So ungerecht!“

„Die LEUTE sagen, ich solle so tun, als wäre ich Cate Blanchett und wenn ich dann auf dem ROTEN Teppich erscheine, versuche ich, mit meinen AUGEN zu lächeln, aber es funktioniert nicht“

Kleid von Chloé. Schuhe von Bottega Veneta. Kette von Loquet.
Mantel von Loewe. Schuhe von Bottega Veneta.

Auch mag es die Schauspielerin nicht, wenn sie auf der Bühne steht und bekannte Gesichter im Publikum sieht. Für ihr Ein-Frau-Theaterstück Girls & Boys 2018 gab ihr Andrew Scott (auch bekannt als der heiße Priester aus Fleabag) Tipps für ihren Monolog. Er versicherte ihr, wie wichtig es ist, dabei dem Publikum in die Augen zu schauen. Mulligan hingegen ignorierte diesen Rat („Nein Andrew, du bist der bessere Schauspieler“) und bestand auf eine hell ausgeleuchtete Bühne, so dass sie niemanden sehen konnte. Darauf folgte eine nette Überraschung, als sie erfuhr, dass Gloria Steinem und Nicole Kidman bei der Premiere anwesend waren und sie nach der Aufführung hinter der Bühne besuchen würden, um Hallo zu sagen. „Das war der tollste Abend meines Lebens“, freut sich Mulligan. „Ich ließ mich mit Gloria Steinem zusammen fotografieren, das mache ich sonst mit niemandem. Sie war so herzlich.“

„Ich war so AUFGEREGT darüber, Teil von Suffragette zu sein und dass meine TOCHTER genauso wie mein Sohn den FILM eines Tages sehen werden“

Hemd von Valentino. Rock von Junya Watanabe. Mieder von Ann Demeulemeester. Ring von Jennifer Fisher.
Hemd von Valentino. Rock von Junya Watanabe. Mieder von Ann Demeulemeester. Ring von Jennifer Fisher.

Mulligan hätte Gloria Steinem sogar in einer biografischen Verfilmung spielen sollen mit Mudbounds Dee Rees als Regisseurin. Der Film konnte aber letztendlich nicht finanziert werden. Ansonsten hätte er sich in eine Reihe von Filmprojekten mit starker feministischer Stimme eingereiht, die von Frauen gemacht wurden. „Ich war so aufgeregt darüber, Teil von Suffragette zu sein und dass meine Tochter genauso wie mein Sohn den Film eines Tages sehen werden“, sagt sie. „Gleichheit“ ist das Wort, das sie benutzt, um zu beschreiben, wie sie ihren Sohn und ihre Tochter erzieht. Im Moment macht sie der Alltag mit zwei Kindern „müder“ und „sehr erwachsen“, was ihr zu bekommen scheint.

„Was mich an Promising Young Woman besonders fasziniert hat, ist, dass ich in den vergangenen Jahren hauptsächlich Mütter gespielt habe“, überlegt sie. „In Mudbound war ich eine Mutter und in Wildlife hatte ich ein vierzehnjähriges Kind. Und dann las ich das Drehbuch, in dem ich in einem Café arbeite und für niemanden verantwortlich bin.“ Hat es in ihr die Sehnsucht nach dem Single-Leben erweckt? „Neeeein“, ruft sie. „Im Gegenteil, jedes Mal, wenn wir an einem neuen Bar-Set gedreht haben, sagten Emerald und ich beide ‚Oh Gott, wir waren schon ewig nicht mehr in einer Bar.‘ Und darüber bin ich sehr glücklich.“

Promising Young Woman erscheint Ende dieses Jahres