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Porter
Coverstory

Bleibender Eindruck

mit

Iman

Supermodel, Make-up-Unternehmerin und Rechtskämpferin für dunkelhäutige Models: IMAN ist eine Ikone. Aber wie möchte sie, dass man sich an sie erinnert? Sie erzählt JANE MULKERRINS von ihrem Vermächtnis, Verlust und warum sie nie wieder heiraten wird

Foto Hanna TveiteStyling Tracy Taylor
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Iman hat es irgendwie geschafft, in die Lobby des New Yorker Mercer Hotels zu gelangen, ohne dass ich es bemerkte. Von meinem Standpunkt aus, auf einem Ledersofa, das der Tür zugewandt ist, kann man sich kaum vorstellen, dass man das 1,78m große, somalische Supermodel übersehen würde. Aber nach mehr als 40 Jahren in der Modebranche und 24 Jahren an der Seite von David Bowie hat sie es geschafft, ein Talent dafür zu entwickeln, sich unbemerkt durch die Stadt zu bewegen. Als ich sie entdecke, tauscht sie ihre riesige Sonnenbrille diskret gegen ein praktischeres Modell mit einem Rahmen in Hornoptik. Als sie mich mit einer Umarmung begrüßt, bemerke ich die zarte Goldkette um ihren Hals, die einen winzigen Anhänger mit der Aufschrift „David“ ziert.

Obwohl sie sich bereits 1989 aus dem Modelbusiness zurückzog, war der Einfluss der 63-Jährigen auf die Branche in den letzten fünf Jahren wieder deutlich zu spüren. Im September 2013 lancierte sie zusammen mit ihrer besten Freundin und Aktivistin Bethann Hardison sowie Naomi Campbell eine Kampagne, die sich für mehr dunkelhäutige Models auf dem Laufsteg einsetzt. Das Trio sendete einen offenen Brief an die Leiter der Modeverbände in New York, London, Paris und Mailand und warnte: „Saison um Saison blicken wir auf eine Branche, dessen Designhäuser konsequent nur mit einem oder keinem dunkelhäutigen Modell zusammenarbeiten.“ Es folgte eine Liste an Designern und Modehäusern, die „zu diesem Rassismus-Akt“ beitragen. Die verzweifelte Taktik funktionierte. „Es ist bemerkenswert“, erklärt sie, als wir uns an einen Tisch im Restaurant setzen. „Wir erzielen sichtbare Ergebnisse. Nicht nur auf dem Laufsteg, sondern auch dort, wo die wirklich großen Probleme liegen: in der Werbung. Wenn man sich die Anzeigen in den Magazinen anschaut, ist die Veränderung deutlich zu sehen.“ Die Schnelligkeit des Erfolgs, so glaubt sie, ist sozialen Medien zu verdanken. „Als wir den Brief auf Social Media veröffentlichten, wusste jeder Bescheid. Die Designer mussten handeln. Heute kann sich jeder äußern und Veränderungen geschehen schnell.“

So schnell diese Revolution auch verlief, für Iman ist sie nicht die erste. Nachdem Sie den Laufsteg verlassen hatte, gründete sie Iman Cosmetics. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 25 Millionen US-Dollar basiert auf Foundations für nicht-kaukasische Frauen. Die Marke wurde aus Imans eigenen Erfahrungen heraus konzipiert; bei ihrem ersten Job für die amerikanische Vogue 1975 fragte die Visagistin, ob sie ihre eigene Foundation mitgebracht hätte, da nichts Passendes für ihren Hautton verfügbar war. Sie begann, ihre eigene zu mischen, die andere dunkelhäutige Models anschließend auch benutzen konnten. „Mittlerweile bietet jede Marke 40 verschiedene Farbtöne an, doch Iman Cosmetics war eine der ersten, die die Kosmetikindustrie neu definierte“, sagt sie. „Das wird mein Vermächtnis sein und ich bin sehr froh darüber, dass man sich auf diese Weise an mich erinnern wird.“

„Iman Cosmetics REVOLUTIONIERTE die Kosmetikbranche. Das wird mein Vermächtnis sein und ich bin sehr FROH darüber, dass man sich auf diese Weise an mich ERINNERN wird“

Bild oben: Mantel von Michael lo Sordo. Rollkragenpullover von Hillier Bartley. Stiefel von Gianvito Rossi. Dieses Bild: Mantel von Joseph. Rollkragenpullover von Burberry. Stiefel von Saint Laurent.

Mit vollem Namen geboren als Iman Abdulmajid in Mogadischu, ersuchten ihre Diplomateneltern Anfang der 1970er-Jahre den Flüchtlingsstatus in Kenia. Im Alter von 20 wurde sie auf dem Weg zu einer politikwissenschaftlichen Vorlesung an der University of Nairobi vom Fotografen Peter Beard entdeckt. Und obwohl sie bis dato nie Absätze oder Make-up getragen oder jemals Modemagazine gelesen hatte, war sie schon bald auf dem Weg nach New York. „Ich habe versucht, mich um meine Brüder und Schwestern zu kümmern und für ihre Ausbildung zu bezahlen. Für mich ging es ums Geschäft“, sagt sie.

Schnell wurde ihr jedoch bewusst, wie ungerecht das System ist, in dem dunkelhäutige Models absichtlich gegeneinander ausgespielt wurden. „Es ging nach dem alten Sprichwort: ‚Spalte und herrsche‘“, sagt sie und verdreht dabei die Augen, während sie mit der Gabel in eine Krabbe sticht. „Es gab die ungeschriebene Regel, nur ein dunkelhäutiges Model pro Publikation anzustellen. Also musste man jemanden von seinem Thron stoßen, um einen Job zu bekommen.“ Stattdessen freundete sie sich mit ihren Rivalinnen an, darunter Beverly Johnson. „Wir sind nicht austauschbar“, bemerkt sie. „Sobald wir das verstanden hatten, konnten wir sie [die Agenturen und Medien] überzeugen und alle parallel arbeiten.“ Außerdem stellte sie fest, dass dunkelhäutige Models pro Stunde weniger bezahlt wurden als ihre weißen Kolleginnen. Iman weigerte sich zu arbeiten, wenn man ihr nicht das gleiche Geld bezahlte. „Jemand musste es sagen“, erklärt sie mit einem Schulterzucken.

Mantel von Michael Kors. Rollkragenpullover von Theory. Stiefel von Gianvito Rossi.
Kleid von Victoria Beckham.

„Es gab die ungeschriebene REGEL, nur ein dunkelhäutiges Model pro Publikation anzustellen. Also musste man jemanden von seinem Thron stoßen, um einen Job zu bekommen. Wir sind NICHT austauschbar“

Während einer 13-jährigen Karriere wurde sie von Künstlern wie Annie Leibovitz, Herb Ritts und Richard Avedon fotografiert und war Muse von Gianni Versace, Calvin Klein und Donna Karan. Als ich frage, warum sie aufgehört hat, antwortet sie mit einem schallenden Lachen. „Die philosophische Antwort ist, dass ich wusste, dass ich nichts mehr tun konnte. Ich musste gehen, um einen Neuanfang wagen zu können“, sagt sie. „Die weniger philosophische Wahrheit ist, dass mir Linda, Naomi, Christy und Cindy auf den Fersen waren und mich ohnehin überholt hätten. Also ging ich würdevoll.“

Das Modeln hinter sich zu lassen, bedeutete auch, dass sie sich auf ihre Familie konzentrieren konnte. Imans älteste Tochter Zulekha, aus ihrer ersten Ehe mit dem Basketballspieler Spencer Haywood, ist heute 40 Jahre alt, während ihre jüngere Tochter Alexandria, Spitzname Lexi, in diesem Jahr 18 wurde. An ihrem bedeutenden Geburtstag, erzählt mir Iman, postete sie 18 Bilder von ihrer Tochter auf Instagram. „Alle Agenturen und Designer riefen mich an, um zu sagen: ‚Wenn Sie möchte, kann sie gerne für uns modeln.‘“ Sie schaut mir mit einem starren Blick ins Gesicht. „Ich sagte: ‚Nein, möchte sie nicht.‘“ Sie erzählt mir, dass Lexi eine talentierte Malerin ist und momentan ein Jahr Auszeit macht. „Gegen meinen Willen. Ich weiß, weshalb man sie als Model haben wollte – weil sie die Tochter von David Bowie ist.“

Genauso wie Iman und Bowie ihre Ehe privat hielten und in der Öffentlichkeit nie über den anderen sprachen, schützen sie auch die Privatsphäre ihrer Tochter. „Sie sagt, ich sei überfürsorglich“, seufzt sie. „Aber ich sagte ihr, dass das alles warten kann und nicht davonläuft. Halte dein Leben privat, solange du kannst, denn eines Tages wird es öffentlich. Genieß die Zeit.“

„Ich verstehe die TRAUER der Fans, aber das ist nicht dasselbe. Sie haben jemanden verloren, zu dem sie aufblicken. Wir haben einen MANN und einen Vater verloren. Manchmal möchte ich nicht, dass die Leute wissen, wie TRAURIG ich bin“

Jacke von Victoria, Victoria Beckham.

Sie weiß, wovon sie spricht. Die 24 Jahre lange Ehe mit einer der größten Musikikonen rückte sie in das Licht der Öffentlichkeit und sorgte für noch mehr Aufmerksamkeit, als ihr Mann im Januar 2016 an Leberkrebs starb. „Man macht Fotos von mir auf der Straße und sagt (sie fasst mich am Arm): ‚Mein Beileid für deinen Verlust.‘“ In ihrem Gesicht zeigt sich Empörung. „Fass mich nicht an, sage ich. Du hast gerade ein Foto von mir gemacht. Wie kann es dir leidtun?“ Sie beruhigt sich. „Ich verstehe die Trauer der Fans, aber das ist nicht dasselbe. Sie haben jemanden verloren, zu dem sie aufblicken. Wir haben einen Mann und einen Vater verloren.“

„Und manchmal möchte ich nicht, dass die Leute wissen, wie traurig ich bin“, fährt sie fort. „Man sagt mir: ‚Oh, du bist so stark.‘“ Sie verdreht die Augen erneut. „Ich bin nicht stark. Ich versuche nur, mich zusammenzureißen.“

Mantel von Chloé. Rollkragenpullover von Khaite. Rock von Agnona. Stiefel von Saint Laurent.

Vorsichtig frage ich, ob sie sich eine neue Beziehung vorstellen kann. „Ich werde niemals wieder heiraten“, sagt sie entschlossen. „Ich habe vor kurzem mit jemandem über meinen Mann gesprochen und man sagte mir: ‚Du meinst deinen letzten Mann?‘ Ich sagte: ‚Nein, er wird immer mein einziger Mann bleiben.‘“ „Ich fühle mich sehr einsam“, gibt sie zu. „Aber möchte ich eine Beziehung? Ich kann niemals nie sagen, aber momentan eher nicht.“

Lexi steht Duncan, Bowies Sohn aus erster Ehe, nahe und würde gerne wie er nach Los Angeles gehen. „Aber sie hat große Angst davor, mich zu verlassen“, sagt Iman. Sie seufzt. „Ich sage ihr: ‚Du bist nicht für mich verantwortlich. Es ist genau umgekehrt.‘“

„Ich werde niemals wieder HEIRATEN. Ich habe vor kurzem mit jemandem über meinen Mann gesprochen und man sagte mir: ‚Du meinst deinen LETZTEN Mann?‘ Ich sagte, nein, er wird immer mein einziger MANN bleiben“

„Eine Sache, die ich tun möchte und lange Zeit nicht getan habe, ist reisen.“ Hardison ist ihre Begleitung und beide denken dabei an Vietnam, Korea und Australien. Die Reisen werden die USA jedoch kaum involvieren. Sie erzählt mir, dass sich eine enge Freundin kürzlich hat scheiden lassen, anschließend ein Wohnmobil kaufte und ihr einen Roadtrip durch die Staaten vorschlug. Iman sieht entsetzt aus. „Vielleicht vor fünf Jahren, aber Amerika hat sich verändert. Die Feindseligkeit und Spaltung im Land ist spürbar. Wenn man Angst hat, an bestimmte Orte im Land zu reisen, weil man nicht weiß, wie feindlich es ist, bedeutet das dann Demokratie?“, fragt sie rhetorisch.

Es ist kein Angriff auf ihre Wahlheimat, wo sie seit 1979 Staatsbürgerin ist. „Ich bin zu gleichen Teilen Somalierin wie auch Amerikanerin“, sagt die Ikone. „Dieses Land hat mir alles gegeben, also ist es meine Pflicht, daran festzuhalten.“ Und mit diesen Worten tauscht sie ihre Sonnenbrille erneut, bevor sie in den Straßen von SoHo verschwindet.

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