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Porter
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Stimme der Zukunft

mit

Kerry Washington

Sie hat sich in Hollywood mehr als einen Namen gemacht. Fernab der großen Leinwand war sie die erste afro-amerikanische Hauptdarstellerin in einer Prime-Time-Serie seit 40 Jahren, nun folgt der nächste große Streich für Schauspielstar KERRY WASHINGTON. Mit LYNETTE NYLANDER spricht sie über die Ziele ihrer eigenen Produktionsfirma und ihre Serienadaption des Beststellers Little Fires Everywhere mit Freundin und Co-Produzentin Reese Witherspoon

Foto Liz CollinsStyling Natasha Royt
Coverstorys
Dieses Bild: Kleid von Helmut Lang.Halskette von Sophie Buhai. Obiges Bild: Top von Saint Laurent. Ohrringe von Natasha Schweitzer.

Während ich in der Lobby von Kerry Washingtons Produktionsfirma Simpson Street warte (benannt nach der Straße in der Bronx, in der ihre Mutter aufwuchs), höre ich, wie sie gerade ein Telefonat beendet. Ihre angenehm vertrauliche Stimme dringt durch die geschlossene Tür. Sie gibt klare, bestärkende Anweisungen für anstehende Projekte, dazwischen ertönt immer wieder ihr herzliches Lachen. Schon bevor wir einander offiziell vorgestellt werden, sehe ich eine Frau vor mir, die weiß, was sie will. Ihr Naturell jedoch ist das komplette Gegenteil der kühlen Art ihrer Serienfigur Olivia Pope in Scandal. Seit bereits sieben Staffeln spielt Washington die Hauptrolle in der Politserie und ist damit die erste weibliche afroamerikanische Hauptdarstellerin in einer Prime-Time-Show seit fast 40 Jahren.

Tatsächlich strahlt Washington diese pure Lebensfreude aus. Barfuß und in einem grauen Trainingsanzug macht sie es sich in einem Sessel bequem und beginnt, ihren Salat zu essen. „Kann ich dir ein Mittagessen anbieten?“, hatte sie mich vor dem Interview noch höflich gefragt. Ihr Büro in Hollywood ist ihrem immer länger werdenden Lebenslauf, inzwischen ist sie Schauspielerin, Produzentin und Regisseurin, angemessen. Ihre Firma befindet sich genau dort, wo Scandal bis 2018 sechs Jahre lang gefilmt wurde. „Mein Team hat mir früher immer vom Balkon aus zugerufen, wenn ich am Set war”, lacht sie.

„Ich hatte auch als Kind schon meinen EIGENEN KOPF und wollte stets von meinem Umfeld GESEHEN und gehört werden“

Top von The Line by K. Hose von Commission. Ohrringe von Bottega Veneta.

Washington hat bereits Ziele erreicht, die vor ihr nur wenige Schauspielerinnen verwirklichen konnten. Sie gehört zu Hollywoods anerkanntesten Hauptdarstellerinnen, wurde für ihre Rollen in den preisgekrönten Filmen Ray und Der letzte König von Schottland von den Kritikern gelobt und hat in großen Produktionen wie Django Unchained und Mr. and Mrs. Smith sowieso verschiedenen Prime-Time-Produktionen mitgespielt. Warum nun also auch noch eine eigene Produktionsfirma, wenn der Terminkalender ohnehin schon voll ist?

„Ich hatte auch als Kind schon meinen eigenen Kopf und wollte stets von meinem Umfeld gesehen und gehört werden“, sagt sie. „Dabei habe ich mich nicht als Anführerin gesehen, vielmehr als jemand, der viel zu sagen hatte. Je länger ich in der Branche unterwegs war, desto mehr realisierte ich, dass es nicht viele Menschen gab, die meine Perspektive als Frau oder als Woman of Color in einer einflussreichen Position verstanden und dass ich hier erst etwas schaffen musste.“

„Ich begann zu VERSTEHEN, dass es noch eine ,andere Welt‘ gab. Ich war WÜTEND, inspiriert, hingerissen und fühlte mich BETROGEN, wenn ich darüber nachdenke, dass NIEMAND in meinem Umfeld so lebte…“

Coat, Bite Studios; shoes, and earrings, both Bottega Veneta
Dress, Helmut Lang; coat, Bite Studios; necklace, Sophie Buhai

Washington wurde als Tochter eines Immobilienmaklers und einer Professorin in der Bronx geboren und lerne schon früh, was „Anderssein“ bedeutet. Mit 12 Jahren wechselte sie auf die exklusive Spence School an der Upper East Side (die auch Gwyneth Paltrow und Jade Jagger besuchten). „Ich weiß noch, wie ich mit 12 und 13 von der Bronx zu meiner extrem elitären Schule lief. Ich sah die Häuser anderer Leute und begann zu verstehen, dass es noch eine ,andere Welt‘ gab. Ich war gleichzeitig wütend, inspiriert, hingerissen und fühlte mich betrogen, wenn ich darüber nachdenke, dass niemand in meinem Umfeld so lebte. Eher noch, dass niemand, der so aussah wie ich, so lebte“, erklärt sie. „Unser Ziel bei Simpson Street ist es deshalb vor allem auch, dieses Anderssein in den Fokus zu rücken und uns selbst, aber auch gegenseitig daran zu erinnern, dass Protagonisten aussehen können wie wir und dass jeder der Star seiner eigenen Story und seines eigenen Lebens sein kann.“

Im Mittelpunkt von Washingtons neuem Film Little Fires Everywhere steht das Muttersein. Die achtteilige Miniserie, die beim TV-Sender Hulu erscheint, ist eine Adaption von Celeste Ngs gleichnamigem Roman. Darin geht es um die aufeinanderprallenden Welten von Elena Richardson (gespielt von Reese Witherspoon), der makellosen Matriarchin einer wohlhabenden Familie aus Ohio und der mysteriösen Mia Warren (gespielt von Washington), die mit ihrer Tochter in den gleichen Ort zieht. Im Folgenden sind die beiden Familien in Geheimnisse, Lügen und Verluste verwickelt.

Strickhemd von Ellery. Shorts von Gauchere. Schuhe von Bottega Veneta. Ring gehört Washington.

„Es ist ein großartiges Projekt“, sagt sie mit großer Begeisterung über die fesselnde Romanadaption. Witherspoons hatte das Buch ursprünglich in ihrem Lesekreis besprochen, sicherte sich aber die Rechte, als es sofort zum Bestseller wurde und wandte sich dann an Washington. „Ich habe es verschlungen, ich konnte nicht mehr aufhören. Nach der letzten Seite habe ich sofort angerufen und gesagt: ,Lass uns das machen‘“, erinnert sich Washington.

Zusammen stellten die beiden ein Team aus Drehbuchautoren zusammen, die „die Komplexität unterschiedlicher Gesellschaftsschichten, Geschlechterrollen und Muttergefühle in Worte fassen konnten… und die das Flair der 90er genauso liebten wie wir!“ sagt sie. „Wir wollten asiatische, schwarze, männliche, weibliche und nicht traditionelle Autorenstimmen in einem Raum zusammenzubringen.“

[Reese Witherspoon] ist die Art von FREUNDIN, die sich AUFRICHTIG dafür interessiert, wie es einem geht. Ich habe großen RESPEKT vor ihr“

Top und Kleid von Ann Demeulemeester. Ohrringe von Natasha Schweitzer. Ring gehört Washington.

Washington und Witherspoon, die sich vorher bereits kannten und „nur auf die perfekte Gelegenheit gewartet hatten, um ein gemeinsames Projekt zu machen“, spielen in der Serie nicht nur beide eine der Hauptrollen, sondern sind auch Co-Produzentinnen. „Sie ist großartig und eine sehr gute Freundin“, verrät Washington. „Sie ist die Art von Freundin, die sich sich aufrichtig dafür interessiert, wie es einem geht. Ich habe großen Respekt vor ihr, nicht nur als Freundin, sondern auch als jemand, der seine eigene Produktionsfirma hat. Sie hat kein Problem damit, über ihre Fehler zu sprechen und was sie daraus gelernt hat.“

Beide sind auch aktive Mitglieder der Time’s-Up-Bewegung, die, wie Washington sagt, „zahlreiche kreative Kooperationen zwischen Frauen hervorgebracht hat, auch wenn das nie unsere Absicht was, es war immer zweitrangig. Unsere Aktionen sollten dem Schutz, der Sicherheit und der Gleichberechtigung von Frauen in allen Branchen dienen. Als wir mit all diesen großartigen Aktivistinnen bei den Golden Globes erschienen, wussten wir, dass es nicht nur um uns geht.“

„Eine Sache, über die viele von uns gesprochen habe, ist, dass aufgrund der ungleichen Machtverhältnisse und der Einschränkungen, wer überhaupt Protagonist sein darf, so häufig nur eine Frau am Set war. Wir wurden ausgegrenzt und auf diese Weise wurde auch oft über uns und andere geredet: ,Sie ist schwierig. Sie ist anspruchsvoll. Sie ist verrückt. Sie ist unberechenbar. Sie ist eine Diva’. Jetzt sprechen mir miteinander und arbeiten zusammen. Wir wissen, dass es nicht stimmt. Auch bei Little Fires Everywhere geht es um die Nuancen der Weiblichkeit und des Muttersein unabhängig von der sichtbaren Identität.“

„Jedes Mal, wenn ich als schwarze FRAU im MITTELPUNKT der Handlung stehe, wird ein POLITIKUM daraus“

Jacke von Commission. Top von Saint Laurent. Halskette von Loren Stewart. Ring gehört Washington.

Im echten Leben hat Washington drei Kinder mit Ehemann Nnamdi Asomugha, doch sie hält ihr Privatleben und ihre Kinder unter Verschluss. „Je älter und bekannter ich werde, desto mehr verliere ich meine Anonymität, deshalb setze ich inzwischen häufiger Grenzen. Ich liebe mein Privatleben, ich liebe die Leute, die ich liebe, ich liebe meine Kinder und ich liebe auch die Kunst.“

Man merkt, dass Washington um ihren Einfluss nicht als Schauspielerin, sondern auch als Geschichtenerzählerin weiß. Ich frage sie, ob sie jemals eine ,seichtere’ Rolle, vielleicht eine romantische Komödie statt ihrer sonst anspruchsvollen Rollen in Erwägung gezogen hat. „Ich hatte einmal eine, aber weil ich schwarz bin, bekommt selbst eine Nora-Ephron-Komödie einen politischen Beigeschmack, es bedeutet etwas. Ich bin bereit, diese Pionierarbeit zu leisten, aber es ist interessant, dass jedes Mal, wenn ich als schwarze Frau im Mittelpunkt der Handlung stehe, ein Politikum daraus wird, ob ich das will oder nicht.“

Jacke von Commission. Lederhose von RTA. Schuhe von A.W.A.K.E. MODE. Top von Saint Laurent. Halskette von Loren Stewart.

“Wir MÜSSEN uns für unsere RECHTE stark machen. Solange wir uns raushalten und beschließen, dass es sich nicht lohnt, sich zu ENGAGIEREN, werden uns diese Rechte genommen“

Das Gespräch wendet sich den Präsidentschaftswahlen 2020 zu. Washington (die 2012 Barack Obama und 2016 Hillary Clinton unterstützt hat) betont, wie wichtig der Gang zu Wahlurne ist, gerade in einer Zeit, in der „unsere Freiheitsrechte in Gefahr sind“, so die Schauspielerin. „Meine Hoffnung ist, dass uns die Angriffe auf so viele von uns, auf Frauen, People of Color, Menschen mit wenig Geld, die LGBTQ+-Community, Immigranten, Latinx und andere politisiert hat. Solange wir uns raushalten und beschließen, dass es sich nicht lohnt, sich zu engagieren, werden uns diese Rechte genommen.“

Auch dieses Jahr steht für Washington viel auf dem Programm. Neben Eva Longoria wird sie in deren Spielfilm-Regiedebüt, der Komödie 24-7 mitspielen, gefolgt von einem Actionthriller mit Michael K. Sterling sowie Ryan Murphys hochkarätig besetzter Musicalkomödie The Prom, in der auch Meryl Streep und Nicole Kidman mitspielen. Als wäre das nicht genug, gibt es auch noch Pläne für ein neues Projekt mit Scandal-Autorin Shonda Rhimes, über das jedoch nicht mehr aus ihr herauszubekommen ist.

„Man muss multitasken können“, kommentiert sie ihren vollen Terminkalender. „Ich glaube, durch alle meine Rollen und die Rollen, die meine Produktionsfirma kreiert, stelle ich andere und das Anderssein in den Fokus. Aber manchmal bin ich extrem schlecht darin, mich selbst in den Fokus zu stellen. Im Laufe meines Lebens, meiner Karriere und durch meine Arbeit lerne ich, auch auf mich selbst Acht zu geben.“

„Aber es ist ein fortwährender Prozess“, fasst sie lächelnd zusammen.

Lederhemd von Stand Studio. Lederhose von Unravel. Schuhe und Ohrringe von Bottega Veneta.

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