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Hoch hinaus

mit

Ana de Armas

Von der Bond-Frau mit Ecken und Kanten bis hin zur ultimativen Blondine Marilyn Monroe: Mit Ehrgeiz, Entschlossenheit, vor allem aber Talent macht sich ANA DE ARMAS langsam aber sicher einen Namen in Hollywood. CHRISTINE LENNON spricht mit der Schauspielerin aus Havana über Hausarbeit, Fleiß und ihren unerwartet erfolgreichen Sprung ins kalte Wasser

Foto Olivia MaloneStyling Alison Edmond
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Dieses Bild: Blazer und Hose von Peter Do. Ohrringe und Ring von Completedworks. Obiges Bild: Top und Hose von Christopher John Rogers. Ear Cuff, als Ring getragen, von Eéra.

Das Filmset des 25. Bond-Films Keine Zeit zu sterben war Ana de Armas irgendwie vertraut. Für die Dreharbeiten fand sich die aus Kuba stammende Schauspielerin in den Pinewood Studios etwas außerhalb von London ein, wo eine nahezu identische Replika des Zentrums von Havana aufgebaut worden war.

„Es war furchtbar kalt, deshalb war es dann doch nicht wie zu Hause“, erinnert sich de Armas lachend. „Aber ich war beeindruckt wie schön und realistisch das Set war. Es war riesig und nahm überhaupt kein Ende! Außerdem war es super, wieder mit Daniel [Craig] zusammen zu arbeiten.“

Ihre Filmfigur, die mysteriöse CIA-Agentin Paloma, die zufälligerweise auch Kubanerin ist, soll eine neue Art der Bond-Frau darstellen, „chaotisch“ und „mit ein paar Macken“. Nachdem sie bereits im letzten Jahr im Erfolgsthriller Knives Out – Mord ist Familiensache an der Seite von Daniel Craig spielte, trifft sie auch hier wieder auf den britischen Schauspieler, der in dem neuen Film seinen fünften und letzten Auftritt als Bond hat.

Ich war extrem NERVÖS und habe fast gehofft, dass ich NICHT gewinne, damit ich nicht auf die BÜHNE muss

Kleid von Nina Ricci. Ring von Bea Bongiasca.

In Knives Out – Mord ist Familiensache, einem Kriminalfilm im Stil von Agatha Christie, legt de Armas eine schauspielerische Glanzleistung hin und das neben jeder Menge ebenfalls herausragender Hollywood-Stars. „Es war großartig“, beschreibt sie die Erfahrung, während sie sich am Set des PORTER Shootings in eine weiße Kuscheljacke einwickelt, derweil die Crew darauf wartet, dass die sich atemberaubende Sonne von LA hinter den dunklen Wolken hervorblitzt. Ebenso „surreal“ war die Golden-Globe-Nominierung, die sie für die Rolle erhielt.

„Ich habe wirklich nicht damit gerechnet und war erfüllt von Stolz. Ich war extrem nervös und habe fast gehofft, dass ich nicht gewinne, damit ich nicht auf die Bühne muss. Erst habe ich mich gefragt, was ich da allein mit all diesen Leuten mache“, erzähl sie. „Natürlich kannte ich Rian [Johnson, Autor und Regisseur des Films] und die anderen Schauspieler am Tisch, aber dann habe ich mich umgesehen und sah Robert De Niro und Todd Phillips, mit denen ich schon Filme gedreht hatte. Ich bin ihnen nur noch nie in dieser Art von Umfeld begegnet. Es hat mich irgendwie beruhigt, dass ich in diesem furchteinflößenden Saal nicht alleine war.“

Knives Out – Mord ist Familiensache avancierte Ende 2019 zum absoluten Kassenschlager, de Armas‘ unglaubliche Leinwandpräsenz machte den Film unvergesslich. „Ana weiß das Publikum sofort in ihren Bann zu ziehen. Vielleicht hat es etwas mit ihrer gutherzigen, offenen Art zu tun“, so Johnson, der ihr die Rolle der Pflegerin Marta gab, die im Zentrum des Films steht. „Bei Ana bekommt man, was man sieht. Sie ist selbstbewusst und fühlt sich wohl in ihrer Haut. Keine Spielchen, kein Drama. Einfach eine coole Frau, die ihren Job extrem gut macht.“

Kleid von Gauge81. Ohrringe und Ear Cuffs von Eéra.

Wenn es nicht gerade um die Golden Globes geht, ist die 31-Jährige eigentlich nicht so einfach aus der Ruhe zu bringen. Sie zog von Kuba nach Spanien und wurde mit 18 Jahren zum TV-Star. Weiter ging es nach LA, wo sie einfach in Hollywood anklopfte und mit offenen Armen begrüßt wurde. Seither hat sie keine ruhige Minute mehr gehabt. In diesem Jahr erscheinen fünf neue Filme mit ihr, darunter befinden sich auch ihr Auftritt als Bondgirl und die Hauptrolle im Netflix-Biopic Blonde – Marilyn Monroe.

Bereits als Teenagerin besuchte sie die Schauspielschule am Teatro Nacional de Cuba und spielte in drei heimischen Filmproduktionen mit, aber sie war nie von zu Hause weg gewesen. Angesichts eines monatlichen Durchschnittseinkommens in Havana von 30 US-Dollar und schwierigen Visumsbedingungen stellt das Verlassen des Landes eine Herausforderung dar.

Sie achtet sehr darauf, ihre Kindheit in Kuba nicht als unterprivilegiert darzustellen. Second-Hand-Kleidung war in ihrer Kindheit eine wirtschaftliche Notwendigkeit (sie trug lange die Sachen ihres Bruders auf, „die Hose seiner Schuluniform wurde zu einer Spielshorts für mich“), aber sie hat sich dadurch eine gesunde Einstellung zu Mode und Konsum bewahrt. Auch wenn sie sich gerne für Veranstaltungen stylt, denkt sie nicht übermäßig lange über ihr Outfit nach.

„Morgens stehe ich immer super früh auf, um ans Set zu kommen. Ich sehe die hübschen Stiefel und die Sneakers, aber dann werden es doch immer die Sneakers“, sagt sie.

Kleid von Ioannes. Ohrringe und Armreife von Chopard.

Ich musste den SPRUNG ins kalte Wasser alleine wagen. Damals war ich so von meinem PLAN für mein Leben ÜBERZEUGT

In dem Mehrfamilienhaus, in dem sie aufwuchs, war sie umgeben von Musik. „Kubaner sind nicht für ihre Distanz bekannt”, lacht sie. „Ob Partys oder Musik der Nachbarn, man war immer irgendwie dabei, ob man wollte oder nicht.“ Das Unterhaltungsprogramm im Fernsehen war auf eine 20-minütige Zeichentrickserie am Samstag und einen Film am Sonntagnachmittag beschränkt.

„Das hat es eigentlich noch besonderer gemacht“, erinnert sie sich. Das Programm war so kurz, dass wir uns mit den Hausaufgaben und unseren Putzaufgaben vorher beeilen mussten, um rechzeitig fertig zu sein. Vor dem Fernseher wollten wir nicht mehr abgelenkt werden.“

De Armas ist stolz auf ihre kubanischen Wurzeln, aber sie wusste auch, dass sie das Land verlassen musste, um als Schauspielerin voranzukommen. „Ich war immer darauf vorbereitet. Ich wusste, dass die Möglichkeiten im Land begrenzt sind, deshalb musste ich gehen“, sagt sie.

Ihre Mutter, die im Personalbereich arbeitet, hat einen spanischen Pass, ihr Vater ist Lehrer und hat in Russland studiert. Der Umzug nach Europa war der logische nächste Schritt. „Noch bevor ich 18 wurde, erzählte ich meinen Eltern von meinem Plan. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mich so unterstützt haben, aber ins kalte Wasser musste ich selbst springen. Ich war damals so überzeugt von meinem Plan für _mein_Leben, aber wenn ich mich heute in die Position meiner Eltern versetze, kann ich mir vorstellen, wie schwierig es für sie gewesen sein muss.“

Kleid von Paris Georgia. Ohrringe und Ringe von Panconesi.
Top und Rock von Paris Georgia.

Sie kam mit 200 US-Dollar in der Tasche in Spanien an, aber innerhalb weniger Wochen hatte sie erste Rolle. Ihr Aussehen mag helfen, genau wie ihre unglaubliche Präsenz vor der Kamera, aber es sind ihr unermüdlicher Einsatz und ihr Talent, die ihre Karriere voranbringen. Sie hat in Filmen einiger der zurzeit größten Regisseure mitgespielt. Denis Villeneuve gab ihr die Rolle der ,perfekten’ holografischen Gespielin im Film Blade Runner 2049 und vermittelte ihr einen Part an der Seite von Ben Affleck in Adrian Lynes erstem Spielfilm seit 18 Jahren, Deep Water, für den sie zurzeit in New Orleans vor der Kamera steht.

Ein treuer Begleiter sorgt dafür, dass sie trotz ihres vollen Terminkalenders auf dem Boden bleibt: ihr weißer Malteser Elvis. Sie denkt darüber nach, wo sie sich vielleicht niederlassen möchte, wenn sie denn mal dazu kommt, ihre Koffer auszupacken. Erst im vergangenen Jahr hat sie sich von ihrem kubanischen Freund, dem Künstler Alejandro Pineiro Bello getrennt. Vielleicht zieht es sie nach New York, um in der Nähe ihres Bruders zu sein, der in Brooklyn wohnt. In ihren wenigen Pausen am Set sieht man sie mit Freunden in Madrid facetimen oder englische Bücher lesen, langsamer als sie es gerne hätte. Sich über ihren hektischen Alltag beschweren, hört man sie aber nie. „Als ich noch in Spanien gelebt habe, verlief die Arbeit in einem sehr langsamen Tempo, mit dem ich mich persönlich und künstlerisch nicht wohlfühle. Ich werde dann nervös und habe das Gefühl, Zeit zu verplempern.“

Ihr erster Film auf Englisch, Eli Roths Erotikthriller Knock Knock mit Keanu Reeves im Jahr 2015, mag nicht gerade ein Klassiker gewesen sein, aber für de Armas war er genug, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die Casting-Einladung für die Rolle im neuen Bond-Film erhielt sie, weil die Produzenten Michael G. Wilson und Barbara Broccoli sie in dem Thriller gesehen hatten.

Ich habe alles über MARILYN gelesen. Es ging mir darum, ihre GEFÜHLE und auch ihre ZERBRECHLICHKEIT zum Ausdruck zu bringen

Blazer und Hose von Peter Do. Ohrringe und Ring von Nathalie Schreckenberg. Schuhe von Christian Louboutin.

„Sie hat den ganzen Film an sich gerissen“, geht es aus einer gemeinsam verfassten E-Mail der beiden hervor. „Sie ist extrem talentiert. Sie ist wandlungsfähig, fleißig, professionell, extrem schön und bei allen beliebt. Sie hat das Zeug zum Weltstar.“

Es stimmt, sie hat das Zeug zum ,Next Big Thing‘. Bei der Vorbereitung auf die Rolle der Marilyn Monroe in der lang erwarteten Filmbiografie Blonde wurde ihr aber bewusst, was für eine emotionale Belastung diese Art von Aufmerksamkeit darstellen kann. „Ich habe alles gelesen, was ich zu Marilyn finden konnte“, sagt sie. „Es ging nicht nur darum, sie physisch zu verkörpern, sondern auch darum, ihre Gefühle, ihre Intelligenz, aber auch ihre Zerbrechlichkeit zum Ausdruck zu bringen.“

Wenn das Jahr 2020 zu Ende geht und ihre fünf neuen Filme im großen wie im kleinen Rahmen gezeigt wurden, können wir davon ausgehen, dass de Armas allen bekannt sein wird. Alle, die bereits mit ihr gearbeitet haben, scheinen davon jedenfalls überzeugt zu sein.

„Ruhm ist ein zweischneidiges Schwert und nicht unbedingt immer etwas, das man Freunden wünscht“, so Johnson. „Aber ich bin mir sicher, dass Ana etwas Besonderes ist. Sie ist eine unglaublich gute Schauspielerin, die sowohl vor der Kamera als auch in ihrer Karriere im Allgemeinen mutige Entscheidungen trifft. Ich bin extrem gespannt darauf, was sie als Nächstes macht.“

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