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Kultur

Warum Frida Kahlos Augenbrauen so wichtig sind

Frida Kahlo mit Olmek-Figur, 1939, fotografiert von Nickolas Muray © Nickolas Muray Photo Archives

Ihr Bild ist ikonisch, aber es ist die Entschlossenheit, mit der die Künstlerin ihr Aussehen gesteuert hat, die auch im Jahr 2018 radikal anmutet. Wir erklären, warum… Von GEORGIA SIMMONDS

Lifestyle

Frida Kahlos außerordentliche Selbstporträts zeugen von der Tatsache, dass sie ihr Erscheinungsbild, im echten Leben wie auf der Leinwand, stets ganz nach ihren eigenen Vorstellungen gestaltet hat. Und dabei ihre mexikanischen Wurzeln und ihre Gesichtszüge – den Damenbart sowie die auffälligen Augenbrauen – feierlich in den Mittelpunkt stellte. „Ich bin meine eigene Muse. Der Mensch, den ich am besten kenne. Der Mensch, von dem ich noch mehr wissen will“, so ihre berühmten Worte.

Als legendäre Feministin bekannt, stehen ihre zusammengewachsenen Augenbrauen bis heute für: „Ich verbiege mich nicht, um dem Bild zu entsprechen, das ihr von Frauen habt.“ Die dichten Haare an ihren Brauen sind ein Statement für ihre bewusste Zurückweisung von Stereotypen, was und was nicht attraktiv ist.

Im März 2018 brachte der Spielzeug-Konzern Mattel seine Frida-Kahlo-Barbie auf den Markt – und die Öffentlichkeit war empört. Nicht wegen der abwegigen körperlichen Proportionen, die man von Barbie kennt. Streitpunkt waren die reduzierten Augenbrauen und die fehlende Gesichtsbehaarung. Dies schwächte den starken Auftritt ab, mit dem Kahlo sich in der Kunst und im wahren Leben zu präsentieren pflegte.

Die Ausstellung Frida Kahlo: Making Her Self Up, die im Sommer 2018 im Londoner Victoria und Albert Museum zu sehen war, beleuchtete, wie die Künstlerin ihre visuelle Identität durch Kleidung und persönliche Artefakte geformt hat, um ihr kulturelles Erbe, ihre Femininität und ihre politischen Ansichten auszudrücken. Unter anderem war der Augenbrauenstift zu sehen, mit dem Kahlo ihre zusammengewachsenen Brauen immer akzentuierte. Ein Erinnerung daran, dass Kahlo bereits in den 1940er-Jahren das Schönheitsideal auf eine Weise in Frage stellte, die selbst heute noch progressiv anmutet: Vollere, jungfräulichere Augenbrauen rücken mehr und mehr in den Fokus, doch „ungezähmte“ Gesichtsbehaarung ist und bleibt ein gesellschaftliches Tabu. Model Sophia Hadjipanteli etwa hat mehr als 180.000 Follower auf Instagram, wird aber gleichzeitig regelmäßig dafür malträtiert, dass sie sich nicht dem Status quo beugt und ihre dichten Augenbrauen zähmt.

Kahlos zusammengewachsenen Augenbrauen sind bedeutsam, weil sie souverän unkonventionell sind. Ihr Bild ist ein Lichtblick für diejenigen Frauen, die sich durch die gesellschaftlichen Zwänge und Normen in Bezug auf Schönheit eingeschränkt oder beschämt fühlen. „Ich war lange der Meinung, ich wäre die befremdlichste Person der Welt“, schreibt Kahlo in ihrem Tagebuch. „Doch dann habe ich gedacht, es gibt so viele Menschen, da muss es doch jemanden wie mich geben, jemanden, der sich in gleicher Weise wie ich eigenartig und fehlerhaft fühlt. Ich stellte mir diese Frau vor und dass auch sie gerade an mich dachte. Ich hoffe, dass, wo auch immer du gerade bist und falls du das liest, weißt, dass es wirklich stimmt – ich bin hier und ich bin genauso seltsam wie du.“

Frida Kahlo: Making Her Self Up, Ausstellung im Londoner Victoria und Albert Museum, 16. Juni – 4. November 2018. Gesponsert von Grosvenor Britain & Ireland.

LEBENDES KUNSTWERK
Kunstwerk: Frida auf der Bank, 1939, fotografiert von Nickolas Muray © Nickolas Muray Photo Archives. Foto: Frida Kahlo, c. 1926, Museo Frida Kahlo. © Diego Riviera und Frida Kahlo Archives, Banco de México, In Besitz von Trust of the Diego Riviera und des Frida Kahlo Museums. Kleid: Baumwoll-Poncho mit Stickereien; gemusterter Baumwoll-Rock mit Stickereien. Ensemble von Isthmus of Tehuantepec. Foto: Javier Hinojosa. © Diego Riviera und Frida Kahlo Archives, Banco de México, in Besitz von Trust of the Diego Riviera und Frida Kahlo Museum.

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